Sonntag, 23. November 2014 · Kommentieren

Sich selbst im Weg stehen

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Hektor hat für den Kaktus ein schönes Plätzchen vorbereitet. Obwohl es für den Kaktus vorteilhaft wäre, aus seinem engen Blumentopf herauszukommen, lehnt er das Angebot ab. Solch ähnliche, unvernünftig wirkende Entscheidungen beobachtet Hektor auch bei Menschen.

Aber wieso nutzt der Kaktus die sich ihm bietende Chance nicht? Für Außenstehende scheint er sich regelrecht selbst zu sabotieren. Muss man ihn etwa zu seinem Glück zwingen?

Einer der Gründe für die Ablehnung könnte die Verlustaversion sein. In Experimenten wurde erwiesen, dass Menschen Verluste wesentlich höher gewichten als Gewinne. Ein anderer Grund könnte der Besitztumseffekt (Endowment-Effekt) sein. Der wahrgenommene Wert von Gegenständen ist viel höher, wenn man den entsprechenden Gegenstand selbst besitzt. Möglicherweise ist der Kaktus introvertiert und muss die überraschende Einladung und das Neue zuerst in Ruhe für sich durchdenken. Daher kam vorsichtshalber ein automatisches „Nein“. Eventuell liegt ein „eskalierendes Commitment“ vor – der Kaktus fühlt sich einer einmal getroffenen Entscheidung (auch wenn sie sich später als Fehler entpuppt) verpflichtet und beharrt auf seiner Entscheidung. Diese Tendenz tritt anscheinend insbesondere bei Scham zu. Möglich ist auch eine „Selbstsabotage“. Wir legen selbstschädigende Verhaltensweisen an den Tag, um andere Ziele, die wir verfolgen, zu erreichen. In der Verhaltensökonomik ist die Risikoaversion bekannt, die besagt, dass sichere Optionen vor riskanteren Optionen bevorzugt werden, auch wenn der Gewinn dadurch geringer ist.

Und schließlich schreibt Psychologie Heute (10/2014):

„Zu jeder Veränderung gehören auch Trennungen und Abschiede“.

An anderer Stelle:

„Jede Veränderung hat einen Preis. Das Neue verunsichert und weckt oft tief vergrabene Ängste.“

Liebe Leser, wie ihr seht, gibt es viele Gründe für manchmal unvernünftig oder nachteilig wirkende  Entscheidungen. Habt ihr solche Situationen auch schon erlebt oder gar selbst solche Entscheidungen getroffen? Überlegt euch, was der Grund dafür war und ob es im Nachhinein gesehen die richtige oder die falsche Entscheidung für euch war. Hätte euch Jemand womöglich zum Glück zwingen sollen?

Infos zum Thema

  • Psychologie Heute (Heft 10/2014), Titelthema „Veränderungen in Angriff nehmen“ und „Vier Schritte führen zum Ziel“, Beltz
  • Psychologie Heute (Heft 7/2013), „Selbstsabotage – Warum wir uns manchmal selbst im Weg stehen“, Beltz
  • Daniel Kahneman, „Schnelles Denken, langsames Denken“, Siedler
  • Sylvia Löhken, „Leise Menschen, starke Wirkung“, Gabal
  • Endowment-Effekt
  • Verlustaversion
  • Risikoaversion

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